Udo Lindenberg

Am 28. März erscheint das Album "Stark wie Zwei", welches binnen kürzester Zeit Platin-Status und Triple-Gold erreicht.

27.10.2008
Von „Cello“ bis „Ich zieh meinen Hut“ - dieses Konzert werde ich nicht vergessen. Die Nachtigall aus Gronau überzeugte.

Nach 145 Minuten steht Udo ganz allein auf der Bühne. Verträumt winkt er dem soeben gestarteten Astronauten hinterher, der im Sternenhimmel der Videowand verschwindet. Nach drei Zugaben wendet Udo sich ein letztes Mal artig zum Publikum, verbeugt sich vor der grölenden Masse und verschwindet im vertraut schlaksigen Gang hinter seiner Band in den Katakomben der ausverkauften LANXESS Arena.
Das Licht geht an. Das Konzert ist zu Ende. Vielen sieht man sowohl die Begeisterung als auch die Erschöpfung an. Hier und da sehe ich Taschentücher, mit denen sich die mit Udo groß und alt gewordenen Fans manche Träne aus den Augen wischen. Es war ein wunderschönes Konzert, in dessen Verlauf jeder in Erinnerungen schwelgen durfte.

Alles hat die Nachtigall noch einmal hervorgezaubert, von „Andrea Doria“ über „Cello“ bis „Horizont“ und natürlich nicht zu vergessen sein „Mädchen aus Ost-Berlin“.

Mit Udo verbinde auch ich sehr viel. In den 70er Jahren wussten wir immer sehr genau, wann Udo mit seinem Panik-Orchester in Münster war. In Steffi Stephans Jovel-Kino an der Weseler Straße wurde häufig für Platten und Tourneen geprobt. Platten oder Konzertbesuche waren zu teuer, deshalb lauschten wir seinen Songs hinter dem für uns verschlossen Kinoportal. Das war für uns Erlebnis pur. Auch sahen wir Udo ab und zu mit seinem Porsche durch die Münsteraner Straßen flitzen - Udo war damals in den 70er Jahren Tagesgespräch in meiner Heimatstadt!

Auch Udo denkt offenbar gerne an diese Zeit zurück. Münster, Havixbeck und das Jovel erwähnte er gestern in Köln. Auf den Vidoleinwänden flimmerten dazu passende Uraltfotos, damals als Udo noch lange Matte trug und nicht seine Glatze unter einem Schlapphut verbergen musste, passend dazu gab es natürlich auch einen seiner ersten Song „Daumen im Wind“ aus dem Jahre 1971 zu hören.

In den letzten Jahren hörte man von Udo nur wenig. Klar, wer nach Hamburg kam, schlich auch um das Hotel Atlantic an der Alster herum, in dem Udo seit Jahrzehnten seine Dauerzelte aufgeschlagen hat. Hier und dort äußerte sich die lebende Legende, der Methusalem,

wie er sich gestern selbst bezeichnete, noch einmal in ihrer oft kopierten aber nie erreichten Art, aber sonst war es sehr still um ihn geworden.

Plötzlich war alles wie früher. Im Frühjahr 2008 erschien Udos aktueller Longplayer, „Stark wie Zwei“. Die Kritiker überschlugen sich in ihren Urteilen. Hier hatte der Meister auf seine alten Tage, Udo zählt inzwischen immerhin 62 Lenze, es allen noch einmal zeigen können. Die Texte schrieb er selbst, bei den Melodien holte er sich Unterstützung u.a. bei Silbermond und den Humpe-Schwestern, die nicht nur mit „Ich und Ich“ und „2raumwohnung“ aktuell große Erfolge feiern.

Gold hat er bekommen, Platin auch, bald soll sogar Doppel-Platin folgen, Udo ist wieder angesagt. Und seine neuen Songs passen bestens zu seinem alten Material. Gestern wurden die Texte von „Wenn du durchhängst“ und „Ich zieh meinen Hut“ fast genauso lautstark mitgegrölt wie die Klassiker „Honky Tonky Show“ und „Straßenfieber“. Die Essener Grugahalle war vor einer Woche ausverkauft, gestern die LANXESS-Arena in Köln gleichwohl. Die ganz besondere Atmosphäre muss Udo gestern ganz besonders begeistert haben, vielleicht sprach er deshalb vom vorgezogenen „Grande Finale“ in Köln und versorgte zum Schluss das Publikum an den Gittern eigenhändig mit Getränken.

Noch etwas zur Musik. Selbst im oberen Rang, eigentlich eine Schwachstelle der Kölner Arena, konnte ich jede Textzeile gut verstehen. Auf der Bühne glänzten die zum Teil auch aus Maffay-Produktionen bestens vertrauten Ur-Band-Mitglieder Steffi Stephan (Bass), Jean-Jacques Kravetz (Keyboards) und Bertram Engel (Drums). Auch sie sind wie alle anderen inzwischen ergraut. Doch diese nach Aussagen von Lindenberg 450 Jahre Bühnenerfahrung waren gestern bestens in Stimmung - hoffentlich nicht zum letzten Mal.

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